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Naturheilkundliche Behandlung der Kolik beim Pferd
 

Dr. M. Litsch, Tierarzt in Wiesbaden (Mai 2001)


Bei der Kolik des Pferdes ist aus naturheilkundlicher Blickrichtung genauso wie in der schulmedizinischen Betrachtungsweise die exakte Diagnose bezüglich Ursache und Symptomatik das A und O um eine erfolgversprechende Therapie durchführen zu können. Schon geringe Fehler bei der Aufnahme des Vorberichtes können zu falschen Schlussfolgerungen und damit zur falschen Therapie führen.

Deutlich wichtiger als in der Schulmedizin wird in der Naturheilkunde die ganzheitliche Betrachtungsweise des Krankheitszustandes genommen.

Neben den klassischen Ursachen wie
- falsche Futterverabreichung
- Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems
- Verabreichung zu drastisch wirkender Medikamente
- Psychogene (Aufregung, Transport- und Turnierstreß),mechanische (falsche Teilchengröße des Futters, Häcksel, Rasenmähergras), thermische (zu kaltes Wasser bei erhitzten Pferden, zu heißes Futter) Reize
- Infektionskrankheiten (Herpes, Milzbrand, Tollwut)
- Thrombotisch-embolische Koliken durch Wurmknoten in den Blutgefäßen des Darmes (Strongyliden)
sind besonders die Lebensumstände, die Haltungsform, die Lage und Ausrichtung des Stalles (Wasseradern, Hochspannungsleitungen) und die Lebensumstände des Besitzers (Hysterie, unheilbare Erkrankungen, "Kindersatz") von Bedeutung.

Besonders die mit Krämpfen des Magen-Darm-Traktes einhergehende Kolik ist nicht selten teilweise oder ganz psychischer Ursache.

Der Begriff "Kolik" beschreibt im wörtlichen Sinne einen schmerzhaften Zustand im Dickdarm (Kolon). Im allgemeinen Sprachgebrauch ist heute aber jeder schmerzhafte Zustand in der Bauchhöhle gemeint. Dabei wird zwischen "echter" (Magen-Darm-Trakt) und "falscher" (andere Organe der Bauchhöhle) Kolik unterschieden.

Es gibt Krampfkolik, thrombotisch-embolische Kolik (Verschluss der den Darm versorgenden Adern durch Wurmlarven der Strongyliden), Darmverschluss, Verdrehung, Einklemmung, Verstopfung, Fremdkörperkolik und Veränderungen der Darmflora.

Die Differentialdiagnose enthält den Ausschluss von anderen Organkrankheiten (Leber, Niere, Gebärmutter, Hoden), Geburtswehen und Infektionserkrankungen.

Die Therapie erfolgt nach den Grundsätzen:
- Schockbehandlung bzw. -vorbeugung
- Stabilisierung des Kreislaufes
- Behandlung nach genauer Diagnose. Mechanisch bedingte Ursachen müssen im allgemeinen auch mechanisch angegangen werden (Einläufe, chirurgische Vorgehen in der Tierklinik).
- Futterentzug !!! ( mindestens 24 -48 Stunden, unter Umständen kleine Mengen Heu, besonders wichtig!!)
- Schmerzlinderung, Krampflösung
- Stabilisierung des Stoffwechsels im Sinne der ganzheitlichen Betrachtungsweise
- Gegebenenfalls Bewegung

Als naturheilkundliche Therapieformen bieten sich die Homöopathie, die Phytotherapie mit Pflanzenextrakten, die Akupunktur und Akupressur sowie physikalische Therapieformen mit Massage und Umschlägen an.

Die Homöopathie erfordert eine akribische Sammlung von Fakten aus dem Vorbericht durch einen erfahrenen gut ausgebildeten Therapeuten, um eine gezielte Therapie möglich zu machen. Häufige Misserfolge in dieser Therapie beruhen meist auf der falschen Meinung, diese Therapie sei leicht zu erlernen und jeder könne sie anwenden, da sie ja keinen Schaden anrichten kann.

Als Mittel für die ätiologische/symptomatische Therapie in Fällen mit motorischer Unruhe als Hauptsymptom bieten sich je nach Konstitutionstyp des Patienten und Ursache Aconitum, Belladonna, Hyoscyamus und Veratrum album an.

Bei Verstopfungskoliken kann man es mit Plumbum aceticum, Nux vomica als Hauptmittel, Graphites und Alumina versuchen.

Die Krampfkolik spricht auf Chamomilla, Colocynthis und Chelidonium an.

Wichtig ist die Wahl der jeweils zur Anwendung kommenden Potenz, da hierauf die Wirkung der Homöopathika hauptsächlich beruht.

Als Pflanzenauszäge kommen warmfeuchte Umschläge aus Quendeltee bei Krampfkolik sowie Coffea tosta oral besonders bei Abfall des Blutdruckes und Mischungen ätherischer Öle aus Kümmel, Fenchel, Anis, Kamille und Senna zum Einsatz. Die ätherische Ölmischungen erhalten sie beim Tierarzt unter dem Präparatenamen "Colosan".

Kompliziert ist die Auswahl der Punkte bei der Akupunktur. Einerseits sollten Nahpunkte auf dem Blasenmeridian gewählt werden. Diese bieten sich auch für eine Akuinjektion von homöopathischen Verdünnungen von Atropinum oder Veratrum an . Andererseits müssen Fernpunkte zur Behandlung der Kolikursache z.B. Konzeptionsgefäße zum Einsatz kommen. Dies erfordert eine genaue Kenntnis um die Geheimnisse der Akupunkturdiagnostik und eine intensive Aufnahme des Vorberichtes. Als krampflösende Therapie kann eine Akupressur und Massage der Ohrspitzenpunkte er-jian und erh-chien versucht werden. Die sehr wirksame Ohrakupunktur ist ansonsten beim Pferd wegen der gefährliche Abwehrbewegungen beim Setzen der Nadeln nicht zu empfehlen.

Kräftiges Reiben von Bauch und Flanken auf beiden Seiten mit einem Strohwisch , eventuell auch mit Franzbranntwein bringen dem Patienten genauso Erleichterung wie die bei der Krampfkolik recht wirkungsvollen Priesnitzschen Umschläge (Wechsel nach spätestens 2 Stunden, warm eindecken).

Die leichte Bewegung bei der Verstopfungskolik um die Darmperistaltik anzuregen sowie kalte Beingüsse bei heißer Witterung zur Stützung des Kreislaufes haben sich auch bereits seit alters her bewährt.

Wenn diese Mittel nicht zum Erfolg führen, sollte auf keinen Fall zu lange gewartet werden den Tierarzt zu rufen, da bei allen Koliken, die sich über mehrere Stunden hinziehen die Gefahr einer Darmverlagerung besteht und damit die Zeit bis zur Überweisung an eine versierte Kolikklinik eine entscheidende Rolle für die Erfolgschancen der Operation und der Gesundung des Patienten spielt.

Im Anschluss an operative Eingriffe und in der Rekonvaleszenz bis zur völligen Widerherstellung hat die Naturheilkunde und Alternative Medizin einen hohen Stellenwert und wie bei vielen langdauernden Allgemeinerkrankungen und Stoffwechselentgleisungen häufig mehr zu bieten als die Schulmedizin.

 
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